Gelassenheit

Situation (Juni 2013):

„Guten Morgen und einen schönen, sonnigen Tag wünsche ich Ihnen!“ – Gast blickt auf die Wetteranzeige des Tages. „Es wird schon wieder so warm! Das hält man ja nicht aus!“


Ich hatte den 4. Tag in Folge Frühschicht und schälte mich müde aus dem Bett. Es wurde langsam besser. An diesem Tag war ich nicht mehr so müde, wie an den letzten. Ob es daran lag, dass ich eher ins Bett gegangen war oder mich einfach daran gewöhnt hatte, morgens um 5 Uhr aufzustehen, kann ich nicht sagen. Es spielt keine Rolle. Eine Stunde später würde ich wieder am Tresen stehen und lächelnd meine Gäste begrüßen.

Es war ein guter Tag. Es fällt leicht aus dem Bett zu krabbeln, wenn einem die Sonne dabei zuschaut.

Vor der Arbeit traf ich eine Kollegin. Sie sah so verschlafen aus wie ich.

„Ist es nicht schrecklich, so früh schon auf Arbeit sein zu müssen?“ fragte sie.

Ich dachte an meine ständigen Spätschichten, durch die ich immer nur so nach Hause kam, dass ich eigentlich gleich ins Bett gehen konnte. Und ich dachte an meine Nachtschichten, die mein Schlafverhalten immer völlig durcheinander brachten.

„Und dann ist es warm, sobald man aufsteht! Man weiß gar nicht, was man an Kleidung noch weglassen soll.“

Ich dachte nur an die Wintermonate, in denen ich frierend mit Wärmflasche im Bett lag und trotzdem ewig nicht warm wurde. Ich musste daran denken, wie ich mich morgens aus dem Bett gequält hatte, weil es draußen kalt und dunkel war und ich einfach nicht richtig wach wurde.

Als ich es anmerke, pflichtet sie mir bei. „Das hast du auch wieder Recht!“ – Warum meckerst du dann? – fragte ich mich, sage aber nichts.

Noch eine Woche zuvor hatte ich seit einem gefühlten Monat keine Sonne mehr gesehen. Es hatte ständig geregnet und in den kurzen trockenen Phasen war der Himmel grau und Wolkenverhangen. Es war Urlaubszeit und viele Gäste wollten sich in ihren freien Tagen die Stadt anschauen. In dieser Zeit kam es in einigen Teilen Deutschland zu schweren Überschwemmungen und einige mussten ihren Urlaub deswegen absagen. Einige Gäste waren ein bisschen mürrisch, wegen des schlechten Wetters – wobei manch einer zu dieser Zeit weit schlimmere Sorgen hatten – andere waren schon froh darüber, dass es einmal nicht regnete. Ich selbst war oft müde und habe mich auf den Sonnenschein gefreut, der die Lebensgeister wieder weckt.

Doch wie empfindet es der Rest? Ist das Wetter trüb, regt man sich auf. Ist das Wetter schön, ist es gleich wieder viel zu warm. Woher kommt diese ständige Unzufriedenheit? Warum finden die Leute immer etwas worüber sie meckern können? Suchen sie danach? Ist es nicht möglich, einen Moment zu erleben, der gut so ist, wie er eben ist!?

Gerade bei so etwas Banalem wie dem Wetter sollte man meinen, dass die Menschen begriffen hätten, dass man nichts daran ändern kann, egal wie viel man sich beschwert.

„Es ist zu warm!“ „Es ist zu kalt!“ „Kann es nicht ein Mittelmaß geben!?“

Diese Frage verwundert mich dann immer wieder, da man sich selten mit einem Mittelmaß zufrieden gibt. Muss es nicht immer das schnellste Auto, das größte Haus, die schönste Frau und die teuerste Uhr sein? Würde uns ein Mittelmaß an Wetter also wirklich zufriedener machen und das Problem lösen?

Das führt mich zur letzte Frage zurück: Woher kommt diese ständige Unzufriedenheit? Und woher kommt die ständige Unzufriedenheit über Dinge, die man nicht ändern kann?

Wir alle sind nicht perfekt. Das wissen wir! Warum sollten es also andere Dinge sein? Oder ist es vielleicht nur unsere eigene Unvollkommenheit, die uns stört und wir wissen nicht, wie wir das ändern können oder sind uns dessen gar nicht erst bewusst? Liegt es daran? Suchen wir (bewusst oder unbewusst) in anderen Dingen immer nur das schlechte, um besser dazustehen, beziehungsweise um unsere eigenen Fehler zu kaschieren? Was ist denn schon so toll daran perfekt zu sein? Machen uns kleine Unebenheiten denn nicht viel sympathischer und menschlicher?

Aber unabhängig davon, woran es liegt: Wäre es nicht viel entspannender für alle, wenn wir weniger nörgeln würden? Ich weiß, dass es Situationen gibt, die einen unglaublich aufregen. Man muss sich manchmal Luft machen, damit man nicht platzt. Aber vieles (und ja, ich muss mir das auch immer wieder sagen) kann man sich auch sparen, da es absolut sinnlos ist.

Es gibt da eine sehr schöne Postkarte:

03 Gelassenheit

Ich denke, wenn sich mehr Menschen diesen Spruch zu Herzen nehmen würden, wäre ihr Leben ruhiger.

Alles, was man nicht ändern kann, sollte man akzeptieren, wie es ist. Alles Weitere sollte man sich genau ansehen. Wenn mich etwas stört, muss ich etwas ändern. Das ist so. Genauso, wie man etwas putzt, wenn es dreckig ist oder repariert, wenn es kaputt ist. Wenn einen der Job unzufrieden macht, dann muss man sich überlegen, ob ein anderer das Problem lösen könnte.

Doch bei allen Überlegungen sollte man vor allem abwägen. Denn vielleicht sind die Dinge, die einen stören, gar nicht so gravierend. Vielleicht gibt es viel mehr Dinge, die einem Freude bereiten. Und vielleicht sollte man genau dort ansetzen und feststellen, dass man kleinen Störfaktoren viel zu viel Bedeutung beimisst und dabei all das, was einem Freude bereitet aus den Augen verliert. Und wäre das nicht dumm?

Alles Liebe, eure Hexe von Dach!

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  1. Du elender Optimist du! Das ist ja ein Grauen mit dir. Frage mich ja auch, wie man so viel gute Laune am frühen Morgen haben kann. Aber du hast natürlich recht. 5Uhr aufstehen oder 8Uhr – wenn ich in der Schule bin, lächle ich die Schüler an, schaue in die verschlafenen Gesichter und wünsche ihnen fröhlich einen guten Morgen. Und wenn sie munter genug sind, um geradeaus zu schauen, grüßen sie auch lächelnd zurück. Was braucht man eigentlich mehr? (v.a. wenn dann noch eine Horde Fünftklässler angeschissen kommt und dich motiviert fragt, was wir heute im Unterricht machen. unbezahlbar!)

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