Bildungsdrama

Es ist Mitten in der Nacht und in 5 Stunden klingelt der Wecker, aber mein Kopf ist noch voller Dinge, die mich nicht schlafen lassen.

Kaum sieh man sich ein paar Filme an, die einen an andere Filme erinnern, schafft es der Kopf nicht mehr mit dem Denken aufzuhören…

04 Dance!   04 Um Klassen Besser    04 Blind Side

In diesen Filmen geht es, um zum Teil sozial benachteiligte Menschen. Es geht um junge Menschen, die von anderen schon abgeschrieben wurden. Man hatte einen Haken hinter sie gesetzt und die Akte beiseite gelegt.

Es sind amerikanische Filme und wenn ich früher solche gesehen habe, musste ich dabei immer gleichzeitig an Deutschland denken und vergleichen. Ich verglich, wie ich aufwuchs und war froh, dass es uns so gut ging, dass es hier so etwas nicht gab – die sogenannten Menschen zweiter Klasse – die Menschen die man abgeschrieben hat, die man weiterschiebt. Und heute sehe ich diese Filme und bin plötzlich schockiert von dem, was ich sehe. Natürlich gibt es diese Leute auch hier! Ich habe sie nur früher nicht gesehen, oder konnte sie nicht sehen. Ich rede mir gern ein, dass es daran liegt, dass das ein Wandel der Zeit ist, aber das kann ich nicht wirklich objektiv beurteilen oder nachweisen.

Wenn ich nach den Ursachen suche, wird es schwierig.

Was einem als erstes auffällt, ist das Fernsehen. Ich schalte ein und „Harz-4-TV“ schreit mir entgegen, wie dumm die Welt ist. Nach dem ich mich anfangs nur darüber aufregte, wie man so eine Sendung produzieren und zeigen kann, ist mir nach und nach klar geworden, diese Menschen gibt es wirklich und sie sind nicht nur ein Fernsehprodukt! Und man zeigt es, weil es das ist, was die Menschen scheinbar sehen wollen. Ich bin nicht sicher, ob es daran liegt, dass man nur etwas Anspruchsloses sucht, von dem man sich berieseln lassen kann, ob man etwas Seichtes braucht, worüber man sich aufregen kann, um nicht an die wirklichen Probleme denken zu müssen oder ob sich die Menschen schlicht daran gewöhnt haben. Die meisten sind mit dem zufrieden, das man ihnen bietet und schauen es selbst dann, wenn sie lieber etwas anderes sehen würden, nur weil sie nicht wissen, was sie sonst tun sollten.

Der zweite Blick schweift zur „heutigen Jugend“ und unserem Bildungssystem. Ich habe selbst einen langen Bildungsweg hinter mir und zwischen einzelnen Etappen liegen mehrere Jahre. Ich kenne die Anforderungen, die man an einen Realschüler stellt, die Anforderungen, die man an einen Gymnasiasten stellt und die Anforderungen, die man an einen Studenten stellt. Ich weiß, was in einer betrieblichen Ausbildung von einem verlangt wird und was einen auf der Berufsschule erwartet.

Wir hatten Rechtschreibreformen, Bildungsreformen, Schulreformen und Hochschulreformen. Ich kann nicht sehen, wohin uns das gebracht hat.

Ich gehe raus auf die Straße und sehe Jugendliche, die so vollkommen anders sind, als ich damals war. Da drängt sich der Verdacht auf, dass ich einfach zu alt bin, aber verändert sich in 10-12 Jahren wirklich so viel? Ich habe den Eindruck, dass die Kinder heute weniger wissen als früher. Aber vielleicht wissen sie auch einfach nur andere Sachen als früher. Ich bin mir da nicht sicher. Es macht den starken Eindruck, dass man ihnen weniger abverlangt und dass das Niveau der schulischen Ausbildung gesunken ist. Aber warum?

Spricht man mit Lehrern, hört man das, was man auch in Zeitungsartikeln nachlesen kann: Die Schüler werden durchgeschleift. Es darf bloß keiner sitzen bleiben oder gar durch eine Prüfung fallen!

Aber warum eigentlich nicht? Wozu Kinder weiterschubsen und versuchen ihnen etwas beibringen, was sie nicht verstehen werden, weil die Grundlagen dafür fehlen. Die Konsequenz ist doch logisch: Es wird nicht besser!

Früher war das noch ein Druckmittel – „Streng dich an, sonst bleibst du noch sitzen!“ Das war nicht schlimm, aber es wollte auch keiner! Heute ist es egal, ob man sich anstrengt oder nicht, man wird durchgeschleift. Gut, Kindern so etwas schon frühzeitig beizubringen – „Übernimm dich nur nicht, es spielt eh keine Rolle. Du kommst weiter. Und falls du hinterher mit deinem miesen Zeugnis keinen Job findest, ist das auch halb so wild. Das System fängt dich schon auf.“

Ich sehe ein Land, dass über Fachkräftemangel klagt, doch woher sollen sie denn kommen? Aus unseren Schulen sicher nicht. Die Klassen werden immer größer und unbeherrschbarer, die Lehrer immer älter, gehen in Rente und bleiben ersatzlos. Es hört sich an, wie in der freien Wirtschaft – mehr Arbeit für weniger Personal – nur der Gewinn bleibt aus. Bildung sollte nicht wirtschaftlich sein sondern effizient und nachhaltig! Das kann sie aber nicht unter den genannten Kriterien.

Und was tun wir dagegen? Wir streiten. Wir streiten darüber, wer entscheiden darf, auf welche Schule unsere Kinder gehen sollen. Wir streiten darüber, welche Schularten es gibt und wie sie heißen sollen. Wie streiten darüber, mit wem unsere Kinder in die Klasse gehen. Wir streiten darüber, wer die Prüfungen für unsere Kinder schreibt. Wir streiten darüber, ob unsere Kinder 12 oder 13 Jahre in die Schule gehen sollen. Wir streiten und streiten über Nebensächlichkeiten.

Aber wer setzt sich dafür ein, dass mehr Lehrer eingestellt werden? Wer sorgt dafür, dass weniger Schulen geschlossen werden? Wer kümmert sich darum, dass unsere Kinder etwas lernen?

Was investieren wir für das, was wir ernten wollen?

Es gibt so unglaublich tolle Dinge, die man mit Kindern machen kann, Arten und Weißen, wie man Kindern etwas beibringen kann. Es gibt so viel, was Kinder wissen müssen, aber scheinbar keinen, der sich darum kümmert, wie und wer es ihnen beibringt. Sollte man nicht jemand finden, der den Unterricht halten kann, bevor man ihr umstrukturiert? Und gibt es nicht unzählige motivierte und ergeizige junge, studierte Menschen da draußen, die diesen Job gern übernehmen würden? Menschen, die die unglaubliche Verantwortung auf sich nehmen möchten aus einer Rasselbande Kindern, junge gebildete Menschen zu machen, die selbstständig denken können? Warum lässt man sie nicht? Warum braucht man sie angeblich nicht?

Und bei aller Planung und Neugestaltung – hat irgendwer die Kinder gefragt, was sie möchten und was sie für richtig halten?

Wir entscheiden über die Zukunft anderer. Und wünscht man sich nicht immer, dass es die eigenen Kinder einmal besser haben sollten, als man selbst? Dazu gehört auch eine bessere Bildung! Das sollten wir nicht vergessen!

 

Schlussgedanken…

Aber von all dem einmal ganz abgesehen. Warum könnten wir noch in diesem Loch stecken?

In Berlin sitzt eine ganze Armada an schlauen, gebildeten und hochbezahlten Leuten. Wie kann eine solche Menge von Leuten diese Entwicklung nicht sehen? Stört es sie nicht, was aus den Kindern dieses Landes wird? Ist es Ihnen am Ende vielleicht noch Recht? Lässt sich ein dummes Volk leichter regieren und lenken? Ist es das? Der Gedanke erscheint ungeheuerlich… und doch lässt er mich nicht los.

Was denkt Ihr darüber?

 

Alles Liebe, eure Hexe vom Dach!

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Eine Antwort

  1. Eine ähnliche Erkenntnis hatte ich, als ich zum Examen den Analphabetismus in Deutschland als Einsprechthema wählte. Ich fand es zum einen erschreckend, dass es doch so viele Menschen sind und mit was für Problemen sie tagtäglich zu kämpfen haben und zum anderen hat es mich sehr überrascht, wie wenig wir davon wissen. Aber das ist nun mal das Denken, nicht nur der Deutschen. Man orientiert sich immer nach Oben: was haben die anderen, was können sie, was verdienen sie, was haben die, was wir nicht haben. Wer schaut denn mal nach „unten“, egal ob im eigenen Land oder in anderen Ländern. Wer beschäftigt sich denn tatsächlich mal mit dem Leben der „kleinen Leute“, mit Armut, Hungersnot, Analphabetismus, Drogensucht und weiß der Geier noch. Probleme gibt es weiß Gott unzählige. aher ist es eigentlich sehr gut, dass das eine oder andere auch in einem Film oder Buch theamatisiert wird. Aber wie viele Menschen kratzt das wirklich? Wer wird tatsächlich etwas aus seiner Wohlstands-Lethargie gerissen? Die meisten hoffen dennoch nur auf das Happy End – im Film. denn jeder weiß, dass es im Leben für soclhe Probleme doch eher selten ein Happy End gibt. doch an wem liegt das wohl!?

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